Neues Jahr, neue Liebe

Laut Statistik soll der Monat Januar der Monat sein, in dem die Singlebörsen Hochkonjunktur haben. Alleinstehende Menschen haben in der Weihnachtsfeier Zeit und zu Silvester feststellen müssen, wie schrecklich es ist, allein zu sein. Selbst jene, die mit ihrem Leben ganz zufrieden sind, bekommen in Werbung und Film ganz deutlich gezeigt, dass zu den Hochfesten keiner alleinstehend sein darf. 

Spätestens im neuen Jahr stürzen sich dann die frustrierten Singles auf diverse Partnerbörsen, gehen in Kneipen und Discos wo sie sich sonst niemals blicken lassen würden, um endlich den Traummann oder die Traumfrau zu finden und heim zu schleppen. Damit auf der nächsten Familienfeier die Oma nicht mehr lästern kann: "Na, immer noch alleine? So wird das aber nichts mit der Familie. Wer soll sich denn im Alter um dich kümmern?"

 

Leider vergisst Oma, dass sie vor 10 Jahren selbst Single geworden ist, als sie Opa zu Grabe getragen hat. Dass sie jetzt im Alter auch alleine ist, die Kinder ausgezogen sind, um ihr eigenes Leben zu leben und sie die Nachbarn nicht kennt, weil sie sich nie mit ihnen beschäftigt hat.

Kein Mensch ist dafür verantwortlich, wie es mir heute, morgen, übermorgen geht. Außer genau einer: Ich selbst.

Zwinge ich anderen Menschen die Verantwortung auf, für mich zu sorgen, kann ich mich da ganz gehörig täuschen. Denn möglicherweise haben diese anderen Menschen eine ganz eigene Vorstellung von ihrem Leben. Und wer mag es ihnen verübeln, es ist schließlich ihr Leben.

  

Abgesehen davon, ist es müßig, heute so zu leben, dass es mir in einem eventuellen Alter möglichst gut geht. Keiner kann sagen, ob ich es überhaupt erreiche. Keiner kann sagen, ob das Leben sich bis dahin nicht um 180 Grad gewendet hat.

 

Wenn ich so lebe, dass ich für mich selbst Verantwortung übernehme, dann erst bin ich frei. Freiheit bedeutet nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will. Freiheit bedeutet, dass bewusst handle.

"Schadet es keinem, dann tu, was du willst." lauten die letzten acht Worte des Hexenkodex aus der Wicca-Rede. Schade Dir selbst nicht, schade Anderen nicht.

 

Wenn ich so lebe, fällt es mir auch nicht schwer, mich selbst zu lieben. Ich kenne meine Fehler, meine Macken. Aber ich achte auf mich. Ich bin liebevoll zu mir. Ich selbst sollte der Mensch sein, den ich als allererstes liebe. Erst dann kann ich einen anderen Menschen in mein Leben lassen und ihn auch so lieben wie er ist. Ohne dass ich das Bedürfnis habe, ihn zu ändern. Oder für mein Wohlergehen verantwortlich zu machen. Und dann habe ich auch die Chance, ohne mühsam suchen zu müssen, Menschen zu begegnen, die vielleicht zu mir passen und mein Leben bereichern.

Die mich so lieben, wie ich bin, ohne dass ich ihnen die Discomaus vorspielen muss, die ich eigentlich gar nicht bin.

Die ich so lieben kann, wie sie sind, da ich mir nicht den Kneipengänger angelacht habe, den ich am liebsten jedes Wochenende zusammenschnauzen möchte, nur weil er genau das gemacht hat, was ihm Freude bereitet und was ich hasse: Die Kneipe zu besuchen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Diana (Mittwoch, 20 Januar 2016 08:52)

    Das unterschreibe ich glatt :-)
    Der Text bzw. der Inhalt gefällt mir sehr gut, da ich es ebenso sehe.

  • #2

    Girschdien (Mittwoch, 20 Januar 2016 12:13)

    Absolut korrekt. Wenn ich, nur um einen Partner zu finden, Dinge tue, die ich nicht mag oder gar verabscheue, dann kann der Partner, den ich bei diesen Gelegenheiten finde, nicht "mein" Partner sein (es sei denn, er hat sich ebenso verbogen, um mich zu finden, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist doch recht klein). Um meinen Lebenspartner zu finden und mit ihm glücklich zu sein, ist es wichtig, genau eines zu sein: ich selbst.

    Danke für diese tollen Worte.

  • #3

    Arnd (Sonntag, 04 November 2018 15:55)

    In einem Punkt bin ich etwas anderer Meinung. Man kann einen Teil der Verantwortung für die eigene Person delegieren. Beispielsweise wenn man erkannt hat, daß man selbst nicht oder nicht ausreichend dazu in der Lage ist.
    Ich habe mich selbst dazu entschieden, weil der Versuch es allein zu schaffen mich fast umgebracht hätte. Ich habe zwar noch mal Glück gehabt, aber ich habe erkannt, daß es auch anders hätte enden können.